"Netz Elbe-Spree": Brandenburg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt starten Neuvergabe im Eisenbahn-Regionalverkehr - VBB setzt Qualitätsstandards

Pressemitteilung vom 22.11.2017
Mit der Veröffentlichung im EU-Amtsblatt hat der
Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) das Vergabeverfahren des "Netzes
Elbe-Spree" in die Wege geleitet. Das jetzige "Netz
Stadtbahn" wird modifiziert und erneut im Wettbewerb
vergeben. Mit jährlich rund 28 Millionen Zugkilometern ist das
Netz Elbe-Spree (NES) bundesweit das
größte Eisenbahnnetz, das bislang im
Schienenpersonennahverkehr (SPNV)
ausgeschrieben wurde. Neben den Ländern Brandenburg und Berlin
beteiligen sich auch Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt
an der europaweiten Ausschreibung. Der VBB führt das Vergabeverfahren im Auftrag der
Länder durch. Die Veröffentlichung im EU-Amtsblatt zur
Ausschreibung des Netzes Elbe-Spree kann unter folgendem
Kurz-Link auf der VBB-Homepage
eingesehen werden: VBB.de/NES.
.
Das Vergabenetz Elbe-Spree umfasst 17 RegionalExpress- und
Regionalbahnlinien sowie den Flughafenexpress (FEX) mit einem Gesamtvolumen in Höhe von rund 28
Millionen Zugkilometer pro Jahr. Der größte Anteil der
Verkehrsleistung liegt mit rund 67 Prozent im Land Brandenburg,
etwa 24 Prozent befinden sich in Berlin, je 4,3 Prozent liegen
in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Um zu
gewährleisten, dass wirtschaftliche und technische Risiken
verteilt und ein Wettbewerb der Unternehmen im
Eisenbahn-Regionalverkehr erzielt wird, ist das Vergabenetz in
vier Einzellose aufgeteilt. Die Vertragslaufzeit für die
Verkehrsverträge Netz Elbe-Spree beträgt zwölf Jahre, der
Betrieb beginnt zum Fahrplanwechsel im Dezember 2022.
Mehr Angebote - mehr Züge - dichtere Takte
Dem Verfahren sind umfangreiche Gutachten zur Prognose der
Fahrgast-nachfrage vorangegangen (siehe VBB.de/korridoruntersuchung). Danach ist bis 2030
mit erheblichen Nachfragesteigerungen von abschnittsweise bis
zu 100 Prozent zu rechnen. Entsprechend werden die Kapazitäten
durch eine dichtere Taktung und längere Züge erheblich
erhöht, zum Beispiel:
RE1: drei statt zwei Fahrten pro Stunde in der
Hauptverkehrszeit (HVZ) mit einer
durchgehenden Zugkapazität von 600 Sitzplätzen
RE2: zwei statt einer Fahrt pro Stunde in der
HVZ Berlin - Lübbenau (nach
Infrastrukturausbau Verlängerung auf dem Abschnitt Berlin
- Cottbus) und Erhöhung der Zugkapazität von 420 auf 550
Sitzplätze
RE7: zwei statt einer Fahrt pro Stunde Bad Belzig -
Berlin Wannsee und zukünftig durchgehend mindestens 420
Sitzplätze pro Zug
Berlin - Nauen: vier statt drei Fahrten pro Stunde
FEX: Erhöhung der Kapazität von
300 auf 550 Sitzplätze
RB24: Erhöhung der Kapazität von 300 auf 550 Sitzplätze
Mit Auslaufen der heutigen Verträge im Netz Stadtbahn im
Dezember 2022 erfolgt gleichzeitig eine Neusortierung des
Liniennetzes. Neue Verbindungen entstehen, wie zum Beispiel:
Die RB21 verbindet zukünftig die Landeshauptstadt Potsdam
direkt mit Berlin-Spandau und Berlin-Gesundbrunnen
Eine neue Linie RB32 bindet Oranienburg (via Berlin
Ostkreuz) und Ludwigsfelde künftig direkt an den Flughafen
BER an. Auch Eberswalde und Bernau
erhalten durch die neue Linienführung der RB24 eine
Direktanbindung an den Flughafen. Zwischen den östlichen
Berliner Bezirken und dem neuen Flughafen ergibt sich ein
30-Minutentakt.
Die Verkehrsverträge im Netz Elbe-Spree ermöglichen auch
während der Vertragslaufzeit Angebotserweiterungen.
Moderne Fahrzeuge - WLAN -
digitale Fahrgastinformation
Den Fahrgästen sollen zeitgemäße Ausstattungsqualitäten
angeboten werden. Gebrauchtfahrzeuge sind zugelassen, jedoch
sind Umbaumaßnahmen und eine Runderneuerung ("Re-Design")
erforderlich. Wie bisher üblich, soll auch zukünftig jeder
Zug mit Personal begleitet werden. Alle Züge sollen über
einen für den Fahrgast kostenlosen Internetzugang per
WLAN verfügen. Für die
Fahrradmitnahme wird es prioritäre Stellplätze - ohne
Klappsitz dahinter - geben, die mit auffälligen Piktogrammen
im und am Fahrzeug angezeigt werden. Die Erkenntnisse hierzu
stammen aus dem VBB-Pilotprojekt
"Rad im Regio". Ausgehend vom Pilotprojekt "Digital im
Regio" soll künftig auch flächendeckend der Umfang der
Fahrradmitnahme erfasst und beispielsweise in den Onlinemedien
als Auslastung je Fahrzeug dargestellt werden. So können
Fahrgäste bereits vor der Fahrt und spätestens vor Einfahrt
des Zuges am Bahnsteig einschätzen, ob und wo im Zug noch
genügend Fahrradstellplätze zur Verfügung stehen.
Die Barrierefreiheit wird weiterentwickelt. Die sogenannten
Servicemittelwagen werden zukünftig, sofern es sich um
Neufahrzeuge handelt, über zwei unterschiedlich hohe Einstiege
verfügen, so dass von den üblichen Bahnsteighöhen 550 mm und
760 mm stufenfrei eingestiegen werden kann.
CO2-Minderung
In die Vergabe kommen die Linien RB33, RB37 und RB51 auf
teilweise nicht elektrifizierten Strecken. Die hier bisher
fahrenden Dieselzüge sollen durch sogenannte bimodale
Fahrzeuge ersetzt werden, die nicht elektrifizierte
Streckenanteile mit eingebauten Batterien überbrücken
können. Die Entscheidung über die Ausgestaltung liegt bei den
Bietern und wird bei der Wertung honoriert.
Künftige Linien im Netz Elbe-Spree (erste Betriebsstufe)
RE1 Magdeburg - Brandenburg (H.) - Berlin - Frankfurt
(O.) -Eisenhüttenstadt - Cottbus;
RE2 Nauen - Berlin - Cottbus;
RE7 Dessau - Berlin - Lübbenau - Senftenberg;
RE8a Wismar - Wittenberge - Berlin - Flughafen
BER;
RE8b Berlin - Wünsdorf-Waldstadt -
Elsterwerda/Finsterwalde;
RB10 Nauen - Berlin;
RB14 Nauen - Berlin;
RB17 Wismar - Schwerin - Ludwigslust (- Wittenberge)
(ab Dez 2024)
RB20 Oranienburg – Golm - Potsdam-Griebnitzsee;
RB21 Potsdam - Golm - Berlin Gesundbrunnen;
RB22 K. Wusterhausen - Flughafen BER - Golm – Potsdam-Griebnitzsee;
RB23 Golm - Potsdam - Berlin - Flughafen
BER;
RB24a Eberswalde - Berlin – Flughafen
BER (Terminal 2);
RB24b Flughafen BER -
Wünsdorf-Waldstadt;
RB32a Oranienburg - Berlin - Flughafen BER (Terminal 2);
RB32b Flughafen BER -
Ludwigsfelde;
RB33 Potsdam - Beelitz - Jüterbog;
RB37 Beelitz - Potsdam-Rehbrücke (-Berlin);
RB51 Rathenow - Brandenburg (Havel);
FEX Berlin Hbf - Berlin Ostkreuz
- Flughafen BER.
Der Zuschnitt der Linien im Netz Elbe-Spree beinhaltet zwei
Betriebsstufen: Die erste Betriebsstufe berücksichtigt den
Infrastrukturzustand vor Vollendung der Bauarbeiten auf der
Dresdner Bahn in Berlin. Nach ihrer Inbetriebnahme können
weitere Verbesserungen für die Fahrgäste erreicht werden.
Insbesondere der FEX und der RE8 auf
dem Südast können erheblich beschleunigt werden. Für die
zweite Betriebsstufe ergeben sich veränderte Laufwege für die
Linien RE8, RB10, RB14, RB23, RB24, RB32 und FEX; neu eingeführt wird die Linie RE20 Berlin
Hbf - Flughafen BER - Cottbus.
Loszuschnitt
Die zu vergebenden Linien sind in vier Lose aufgeteilt, um für
die Region einen wettbewerblichen Markt zu gewährleisten. Ein
Bieter kann maximal zwei Lose gewinnen, wobei Los 1 und Los 2
nicht an denselben Bieter vergeben werden kann. Weitere
Kombinationen sind möglich. Die Lose sind wie folgt
zugeschnitten:
Los 1: RE1
Los 2: RE2, RE20, FEX, RB14,
RB24, RB32
Los 3: RE7, RB20, RB21, RB22, RB23
Los 4: RE8, RB17, RB33, RB37, RB51
Betriebsübergang
Wie in den bisherigen Verkehrsverträgen wird es auch im
Verfahren Netz Elbe-Spree, basierend auf dem neuen
Vergaberecht, die Übernahmeverpflichtung für das
Betriebspersonal geben. Im Falle eines Betreiberwechsels kann
jede/r Triebfahrzeugführer/in, Zugbereitsteller/in oder
Kundenbetreuer/in davon ausgehen, den Arbeitsplatz beim neuen
Betreiber zu denselben Rahmenbedingungen fortzuführen.
Wiedereinsatzgarantie
Um den Wettbewerb zu fördern und technische Ressourcen
nachhaltig zu nutzen, garantieren die beteiligten Länder, dass
von den Eisenbahnverkehrsunternehmen für die ausgeschriebenen
Verkehrsleistungen neu beschaffte Fahrzeuge auch über die
Laufzeit der NES-Verkehrsverträge
hinaus genutzt werden, wenn diese Garantie von den beauftragten
Unternehmen gewünscht wird. Damit wird das wirtschaftliche
Risiko dieser Unternehmen bei der Fahrzeugbeschaffung
reduziert.
Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin
Schneider: "Mehr Angebote, mehr Leistungen im
größten Vergabenetz Deutschlands. Durch rechtzeitige Vergabe
erreichen wir mehr Flexibilität in den Verkehrsverträgen und
können besser auf die Entwicklung der Nachfrage und nicht
zuletzt auf den notwendigen Ausbau der Infrastruktur
reagieren."
Berlins Senatorin Regine Günther für Umwelt, Verkehr
und Klimaschutz: "Die Stadt wächst und die
Pendlerzahlen steigen. Die Ausschreibung des Netzes Elbe-Spree
reagiert darauf und wird die Verbindungen auf der Schiene
deutlich verbessern. Eine gute Schieneninfrastruktur nutzt den
Pendlerinnen und Pendlern und trägt maßgeblich zum Umwelt-
und Klimaschutz bei. Der Regionalverkehr wird mit vielen
Bahnhöfen im gesamten Stadtgebiet attraktiver, der
BER wird vom Hauptbahnhof alle 15
Minuten erreichbar sein. Kapazitäten, Komfort sowie die
Barrierefreiheit werden ausgebaut."
Christian Pegel, Minister für Energie, Infrastruktur
und Digitalisierung in Mecklenburg-Vorpommern
erklärt: "Bewährtes wird fortgeführt, Verbesserungen
finden sich im Detail. Beginnend ab Dezember 2024 werden wir
die Möglichkeit haben, durch einzelne zusätzliche Züge das
Angebot zwischen Wismar und Schwerin sowie zwischen Wismar und
Berlin zu verbessern. Das ist eine gute Nachricht für alle
Bahnkunden. Den erforderlichen finanziellen Spielraum soll uns
vor allem die Wiedereinsatzgarantie für die Fahrzeuge
bringen."
Sachsen-Anhalts Minister für Landesentwicklung und
Verkehr Thomas Webel sagte: "Für die
Sachsen-Anhalter enthält das Netz zwei bedeutende Linien.
Beide bieten stündlich schnelle Verbindungen zur
Bundeshauptstadt Berlin: Der Regionalexpress RE 1 von der
Landeshauptstadt Magdeburg aus und der RE 7 vom wichtigen
Oberzentrum Dessau-Roßlau. Sie werden auch in Zukunft eine
wichtige Rolle spielen."
VBB-Geschäftsführerin
Susanne Henckel: "Der VBB
hat aus den ver-gangenen Vergaben umfangreiche Erkenntnisse
gewonnen, die jetzt in das Verfahren fließen. Nicht nur der
Preis wird über die Vergabe entscheiden, sondern auch
angebotene Mehrqualitäten und innovative Ideen wie zum
Beispiel bezüglich alternativer Antriebe der Fahrzeuge sollen
positiv bewertet werden. Wir bereiten uns auf einen spannenden
Wettbewerb vor und freuen uns auf viele interessierte Bieter,
die den Eisenbahnverkehr in unserer Region leistungsfähiger
und moderner machen."
Zeitplan
Nach dem jetzigen Start des Vergabeverfahrens Netz Elbe-Spree
haben interessierte Bieter rund ein halbes Jahr Zeit, sich zu
bewerben. Geplant ist, im Herbst 2018 den Zuschlag zu erteilen.
Dadurch ergibt sich für die Verkehrsunternehmen ein
notwendiger Zeitrahmen, um bis zur Betriebsaufnahme in vier
Jahren die Fahrzeuge zu beschaffen bzw. zu modernisieren,
eventuelle Werkstattkapazitäten aufzubauen und die Übernahme
des Personals vom bisherigen Betreiber reibungslos regeln zu
können. Die Betriebsaufnahme ist zum Fahrplanwechsel im
Dezember 2022 vorgesehen.
Weitere Informationen finden Sie unter: VBB.de/NES.
Quelle: http://www.berlin.de/presse/pressemitteilungen/index/feed?institutions=lpd&since=gestern_14_00&prio=1&count=1000&orig=1
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Zahlen & Fakten:
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