Berlin will Masern und Röteln bis zum Jahr 2020 eliminieren - Senat beschließt Maßnahmenplan

Berlin will Masern und Röteln bis zum Jahr 2020 eliminieren - Senat beschließt Maßnahmenplan


News Berlin

Pressemitteilung vom 05.12.2017
Aus der Sitzung des Senats am 5. Dezember 2017:
Der Senat hat heute auf Vorlage der Senatorin für Gesundheit,
Pflege und Gleichstellung, Dilek Kolat, den Berliner Masern-
und Röteln-Eliminationsplan (BEMREP)
zur Kenntnis genommen. Der BEMREP ist
das Berliner Konzept, um den "Nationalen Aktionsplan
2015-2020 zur Elimination der Masern und Röteln in
Deutschland" auf Landesebene umzusetzen. Die Vorlage wird vor
Verabschiedung nun dem Rat der Bürgermeister zur Stellungnahme
unterbreitet.
Senatorin Kolat: "Masern und Röteln sind keine harmlosen
Kinderkrankheiten, sondern Virusinfektionen, die schwerwiegende
gesundheitliche Folgen haben können. Diese Krankheiten sind
vermeidbar, denn es gibt eine wirksame Schutzimpfung. Zu
unseren wichtigsten Zielen gehört daher, die Impfquote in der
Berliner Bevölkerung zu erhöhen. Unser Konzept listet eine
Reihe direkt wirksamer Maßnahmen auf, die wir gemeinsam mit
den Gesundheitsämtern, den niedergelassenen Ärzten und den
Betriebsärzten angehen werden. Dabei setzen wir auf
Freiwilligkeit statt auf gesetzlichen Zwang."
Seit Einführung der Masernimpfung vor rund 40 Jahren ist die
Krankheit zwar auf dem Rückzug. Es kommt aber in ganz
Deutschland und auch in Berlin immer wieder zu Ausbrüchen.
Zuletzt gab es in Berlin von Oktober 2014 bis August 2015 eine
Masernepidemie mit rund 1.400 Fällen. Ein nicht geimpftes
Kleinkind starb an der Krankheit. Im Jahr 2017 wurden in Berlin
bis Ende November 66 Fälle von Masern gemeldet. Von einer
Elimination der Krankheit spricht man, wenn mindestens 95
Prozent der Bevölkerung geimpft sind, das Virus sich nicht
mehr ausbreiten kann und weniger als ein Fall pro eine Million
Einwohner und Jahr auftritt. In ganz Berlin wären das drei
Fälle. Eine Ausrottung (Eradikation) liegt nach
internationaler Definition dann vor, wenn das Virus weltweit
nicht mehr nachgewiesen werden kann. Erst dann würden
Schutzimpfungen dagegen überflüssig.
Die Durchimpfungsrate bei Kindern des Jahrgangs 2009, also im
Einschulungsalter, liegt in Berlin mit derzeit 92,3 Prozent
exakt im Bundesdurchschnitt. Dennoch treten Masern und Röteln
hier häufiger auf. Das dürfte an der hohen Einwohnerdichte,
der dynamischen Bevölkerungsentwicklung (182.000 Zuzüge im
Jahr 2015), dem boomenden Tourismus und dem Zuzug vieler
Studierenden liegen. Impflücken gibt es vor allem bei
Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Zwei Schwerpunkte des
BEMREP sind daher das frühzeitige,
fristgemäße Impfen im frühen Kleinkindalter und das
nachholende Impfen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
Gerade der Anteil der unter Fünfjährigen war bei den
Masernausbrüchen der letzten Jahre besonders betroffen. Das
Risiko von Komplikationen ist in dieser Altersgruppe besonders
hoch. Jugendliche und junge Erwachsene sind die zweite,
besonders betroffene Altersgruppe, die zudem für nachholende
Impfungen oft schwer erreichbar ist, weil sie selten zum Arzt
geht. Der Berliner Masern-Röteln-Eliminationsplan sieht
verschiedene, auf die Zielgruppen zugeschnittene Maßnahmen
vor, so z.B.:
Die Gesundheitsämter sollen bei den
Einschulungsuntersuchungen gleichzeitig eine Impfberatung und
falls gewünscht auch eine Impfung anbieten.
Kitas müssen bei Aufnahme eines Kindes den Nachweis einer
Impfberatung fordern und gegebenenfalls eine Meldung an das
zuständige Gesundheitsamt schicken.
Durch ein verbindliches Einlade- und Rückmeldesystem
konnte die Teilnahmequote von Kindern an den
Vorsorgeuntersuchungen (U1 bis U9) deutlich gesteigert werden.
Dies soll nun auch für die Jugendschutzuntersuchungen
eingeführt werden.
Bei jungen Erwachsenen kommt auch den Betriebsärzten eine
wichtige Rolle zu. Sie sollen ebenso informiert und geschult
werden wie zum Beispiel niedergelassene Ärzte oder andere
Multiplikatoren wie zum Beispiel Stadtteilmütter.
Da vor allem leichte Fälle von Röteln oft nicht
diagnostiziert werden, soll es in diesem Bereich mehr
Laboruntersuchungen geben.
Der Berliner Masern- und Röteln-Eliminationsplan steht zur
Verfügung unter:
http://www.berlin.de/sen/gesundheit/themen/gesundheitsschutz-und-umwelt/infektionsschutz
Quelle: http://www.berlin.de/presse/pressemitteilungen/index/feed?institutions=lpd&since=gestern_14_00&prio=1&count=1000&orig=1

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